Wie viel bist du wert? Nicht als Mensch – als Zahl auf dem Papier. Die meisten Menschen können diese Frage nicht beantworten, obwohl sie ihr Gehalt aufs Rappen genau kennen. Genau hier setzt der Begriff Net Worth an, auf Deutsch Nettowert oder Nettovermögen.

Was der Nettowert wirklich zeigt

Der Nettowert zeigt, wie viel eine Person oder ein Unternehmen tatsächlich besitzt, nachdem alle Schulden und Verbindlichkeiten von den Vermögenswerten abgezogen wurden. Er ist damit ehrlicher als das Einkommen: Ein hohes Gehalt sagt nichts darüber aus, ob am Ende des Monats etwas übrig bleibt oder ob alles in Konsum und Zinsen verschwindet.

Die Formel ist denkbar einfach:

Vermögenswerte minus Verbindlichkeiten = Nettowert

Ein Beispiel: Wenn jemand Vermögenswerte von 500’000 CHF besitzt (Erspartes, Wertschriften, Eigenkapitalanteil an einer Immobilie) und Verbindlichkeiten von 300’000 CHF hat (zum Beispiel eine Hypothek und einen Kredit), beträgt der Nettowert 200’000 CHF. Diese Zahl – nicht das Bruttoeinkommen – zeigt den tatsächlichen finanziellen Stand.

Warum Einkommen und Nettowert oft auseinanderklaffen

In ihrem einflussreichen Buch “The Millionaire Next Door” (1996) untersuchten die Autoren Thomas J. Stanley und William D. Danko, wer in den USA tatsächlich Millionär wird – und stellten überraschend fest, dass viele echte Vermögende bescheiden leben, in normalen Nachbarschaften wohnen und unauffällige Autos fahren. Sie unterschieden dabei zwischen zwei Gruppen:

  • PAWs (Prodigious Accumulators of Wealth): Menschen, die im Verhältnis zu ihrem Einkommen überdurchschnittlich viel Vermögen aufbauen.
  • UAWs (Under Accumulators of Wealth): Menschen mit hohem Einkommen, die trotzdem wenig Nettovermögen haben, weil sie entsprechend viel ausgeben.

Die Autoren stellten dazu eine einfache Faustformel auf: Alter multipliziert mit dem jährlichen Bruttoeinkommen, geteilt durch zehn, ergibt ungefähr den Nettowert, den man “eigentlich” haben sollte, wenn man durchschnittlich gut wirtschaftet. Ein Beispiel: Jemand, der 40 Jahre alt ist und 90’000 CHF im Jahr verdient, sollte gemäss dieser Formel ungefähr einen Nettowert von 360’000 CHF haben (40 × 90’000 ÷ 10). Wer deutlich darüber liegt, gilt nach dieser Logik als PAW – wer deutlich darunter liegt, als UAW.

Diese Formel ist bewusst grob und für den US-amerikanischen Kontext der 1990er-Jahre entwickelt worden – sie ersetzt keine individuelle Finanzplanung. Für die Schweiz mit anderen Löhnen, Vorsorgesystemen (AHV, Pensionskasse, Säule 3a) und Lebenshaltungskosten ist sie höchstens eine grobe Orientierung, kein Massstab in Stein gemeisselt. Der eigentliche Wert der Formel liegt nicht in der exakten Zahl, sondern in der Erkenntnis dahinter: Zwei Menschen mit gleichem Einkommen können völlig unterschiedliche Nettowerte haben – abhängig davon, wie sie mit ihrem Geld umgehen.

Warum die Pensionskasse nicht alles ist

Ein Hinweis für den Schweizer Kontext: Dein Guthaben in der Pensionskasse (2. Säule) und in der AHV zählt wirtschaftlich zu deinem Vorsorgevermögen, ist aber nicht frei verfügbar und wird meist separat betrachtet. Für eine erste, einfache Nettowert-Berechnung kannst du dich auf frei verfügbares Vermögen konzentrieren: Bankguthaben, Wertschriftendepot, Säule-3a-Guthaben, Eigenkapitalanteil an Immobilien, abzüglich aller Schulden.

So berechnest du deinen eigenen Nettowert

  1. Liste alle deine Vermögenswerte auf und addiere ihren aktuellen Marktwert.
  2. Liste alle deine Verbindlichkeiten auf: Hypothek, Kredite, offene Kreditkartenrechnungen, Steuerschulden.
  3. Ziehe die Summe der Verbindlichkeiten von der Summe der Vermögenswerte ab.
  4. Notiere das Ergebnis mit Datum – zum Beispiel in einer einfachen Tabelle.

Der eigentliche Nutzen entsteht erst mit der Wiederholung: Wenn du diese Berechnung alle drei bis sechs Monate machst, siehst du eine Entwicklung statt nur einer Momentaufnahme. Steigt dein Nettowert über die Zeit, bist du auf dem richtigen Weg – unabhängig davon, wie hoch oder tief die Ausgangszahl war. Genau diesen Trend – warum es sich überhaupt lohnt, diese Zahl steigen zu sehen – schauen wir uns in der nächsten Lektion an.