Zwei Ärztinnen verdienen beide 200’000 CHF im Jahr. Die eine hat mit 60 ein beträchtliches Vermögen, die andere praktisch keines. Beide hatten dasselbe Einkommen – aber offensichtlich nicht denselben Umgang damit. Diese letzte Lektion der Serie bringt genau diesen Punkt auf den Punkt: Einkommen ist wichtig, aber nicht das, was am Ende zählt.
Einkommen entsteht durch Arbeit – Vermögen entsteht durch Besitz
In seinem Bestseller “Rich Dad Poor Dad” (1997) beschreibt Robert Kiyosaki, wie er als Kind zwei sehr unterschiedliche Vaterfiguren hatte: seinen leiblichen, gut ausgebildeten, aber finanziell stets angespannten Vater (“Poor Dad”) und den Vater seines besten Freundes, einen Geschäftsmann ohne höhere formale Bildung, der über die Jahre ein beträchtliches Vermögen aufbaute (“Rich Dad”). Die zentrale Lehre daraus: Einkommen entsteht meist durch Arbeit – einen Lohn, ein Honorar, einen Gehaltszettel. Vermögen dagegen entsteht durch den Besitz von Vermögenswerten, die selbst Einkommen produzieren, wie wir in Lektion 2 gesehen haben.
Die Kiyosaki-Logik lautet zugespitzt: Nicht entscheidend ist nur, wie viel du verdienst, sondern was du mit dem verdienten Geld machst. Ein hohes Einkommen, das vollständig in einen entsprechend hohen Lebensstil fliesst, hinterlässt am Ende genauso wenig Vermögen wie ein tiefes Einkommen ohne jede Sparrate.
Das Ziel: von reinem Arbeitseinkommen zu Kapitaleinkommen
Der springende Punkt dieser gesamten Lektionsreihe lässt sich so zusammenfassen: Ziel ist es, mit der Zeit einen wachsenden Teil des eigenen Lebensunterhalts nicht mehr ausschliesslich aus Arbeitseinkommen zu decken, sondern zunehmend aus Erträgen von Vermögenswerten – Dividenden, Mieteinnahmen, Zinsen oder Unternehmensgewinnen.
Das passiert nicht über Nacht. Es ist ein Prozess, den wir in dieser Serie Schritt für Schritt aufgebaut haben:
- Verstehen, was ein Vermögenswert ist (Lektion 2).
- Wissen, wo man finanziell steht, durch den Nettowert (Lektion 3).
- Ein Warum entwickeln – Sicherheit, Freiheit, Wahlmöglichkeiten (Lektion 4).
- Ein Budget aufstellen, um überhaupt Sparpotenzial zu schaffen (Lektion 5).
- Die eigenen Zahlen laufend im Blick behalten (Lektion 6).
- Schulden gezielt und unterscheidend managen (Lektion 7).
- Fremdkapital dort einsetzen, wo es sinnvoll ist (Lektion 8).
- In das eigene Humankapital investieren, die Quelle allen Einkommens (Lektion 9).
Jeder dieser Schritte trägt dazu bei, dass aus reinem Arbeitseinkommen mit der Zeit auch Kapitaleinkommen entsteht.
Die Brücke zum Cashflow Quadrant
In seinem Folgewerk “Rich Dad’s Cashflow Quadrant” (1998) vertieft Kiyosaki diese Idee mit einem Modell, das vier Arten unterscheidet, wie Menschen Einkommen erzielen: als Angestellte, als Selbständige, als Unternehmerinnen mit eigenen Mitarbeitenden, oder als Investoren, deren Geld für sie arbeitet. Er argumentiert, dass finanzielle Freiheit am ehesten auf der Unternehmer- und Investorenseite dieses Modells entsteht – nicht, weil Anstellung oder Selbständigkeit “falsch” wären, sondern weil diese beiden anderen Quadranten typischerweise stärker vom eigenen Zeiteinsatz abhängen.
Dieses Vier-Quadranten-Modell ist so einflussreich und vielschichtig, dass es eine eigene, ausführliche Lektion verdient. Genau dort setzt der nächste Blogbeitrag dieser Serie an: Er nimmt den Cashflow Quadrant im Detail auseinander und zeigt, wie sich jeder einzelne Quadrant konkret in der Schweizer Realität anfühlt – vom Lohnausweis bis zum eigenen Aktienportfolio.
Was bleibt von dieser ersten Serie
Wenn du diese zehn Lektionen bis hierhin gelesen hast, kennst du bereits das Grundgerüst, das die meisten Finanzbücher dieser Serie – von Kiyosaki über Clason bis Housel – auf die eine oder andere Art vermitteln: Wissen, was du besitzt (Vermögenswerte und Verbindlichkeiten), wissen, wo du stehst (Nettowert), wissen, warum du es tust (Freiheit), und dann systematisch handeln (Budget, Tracking, kluger Umgang mit Schulden und Fremdkapital, Investition in dich selbst). Der letzte Schritt ist immer derselbe: anfangen. Nicht perfekt, nicht mit dem optimalen Plan – sondern mit dem ersten Budget, der ersten Sparrate, dem ersten Investment. Alles Weitere kommt mit der Zeit.