In Lektion 15 haben wir die Unterscheidung von Benjamin Graham kennengelernt: Eine Investition basiert auf gründlicher Analyse, schützt das eingesetzte Kapital und verspricht eine angemessene Rendite. Alles andere ist Spekulation. Diese Unterscheidung hängt nicht nur von der Methode ab, sondern auch stark davon, welche Anlageklasse überhaupt betrachtet wird. Manche Anlagen lassen sich fast immer seriös analysieren und langfristig einordnen. Andere sind ihrer Natur nach kurzfristiger, volatiler und schwerer greifbar. Die folgende Übersicht ordnet dreissig gängige Anlageklassen entlang von vier Fragen ein: Handelt es sich eher um Investition oder Spekulation? Wie hoch ist die mögliche Rendite? Wie schnell lässt sich die Anlage zu Geld machen (Liquidität)? Und wie stabil ist sie in der Regel (Sicherheit)?

Asset Einordnung Rendite Liquidität Sicherheit
Aktien Investition, wenn langfristig, diversifiziert und fundamental begründet hoch hoch mittel
Einzelaktien Investition oder Spekulation, abhängig von Analyse und Haltedauer hoch hoch mittel bis tief
Dividendenaktien Investition, wenn stabiler Cashflow und Substanz vorhanden sind mittel hoch mittel
ETFs Investition, weil breit diversifiziert und meist langfristig gehalten mittel bis hoch hoch mittel
Investmentfonds Investition, wenn breit diversifiziert und langfristig ausgerichtet mittel mittel bis hoch mittel
Staatsanleihen Investition, weil planbare Zinsen und hohe Bonität möglich sind tief bis mittel hoch hoch
Unternehmensanleihen Investition, wenn Bonität und Zinsrisiko geprüft sind mittel mittel bis hoch mittel
Anleihen allgemein Investition, weil Zinsen und Rückzahlung planbar sind tief bis mittel hoch mittel bis hoch
Immobilien direkt Investition, wenn Mietertrag und Wert langfristig stimmen mittel bis hoch tief mittel bis hoch
Renditeimmobilien Investition, wenn positiver Cashflow und Werterhalt gegeben sind mittel bis hoch tief mittel
Immobilienfonds Investition, wenn diversifiziert und reguliert mittel mittel bis hoch mittel
Sparbuch Eher Sicherheitsbaustein als echte Investition tief hoch hoch
Tagesgeld Sicherheits- und Liquiditätsreserve tief sehr hoch hoch
Festgeld Sicherheitsorientierte Anlage mit fester Bindung tief mittel hoch
Gold Eher Absicherung oder Spekulation, da kein laufender Cashflow mittel mittel mittel
Silber Stärker spekulativ wegen höherer Schwankungen mittel bis hoch mittel mittel
Platin Spekulativ wegen Industrieabhängigkeit und Volatilität hoch mittel tief bis mittel
Rohstoffe allgemein Meist Spekulation, weil kein laufender Ertrag entsteht hoch mittel tief bis mittel
Öl Spekulation wegen Preiszyklen und Geopolitik hoch mittel tief
Gas Spekulation wegen starker Preisschwankungen hoch mittel tief
Kryptowährungen Spekulation, weil hohe Volatilität und unklare Bewertungsgrundlage sehr hoch hoch tief
Private Equity Investition, wenn professionell geprüft und langfristig gehalten hoch tief tief bis mittel
Venture Capital Spekulative Investition in sehr frühe Unternehmensphasen sehr hoch sehr tief tief
Hedgefonds Je nach Strategie, oft spekulativ und wenig transparent variabel tief bis mittel tief bis mittel
Kunst Spekulation, weil subjektiver Wert und illiquider Markt variabel tief tief
Sammlerstücke Spekulation, weil Liebhaberpreise und geringe Liquidität variabel tief tief
Optionen Spekulation, weil stark zeit- und preisabhängig sehr hoch hoch tief
Futures Spekulation, weil Hebelwirkung und Preiswetten dominieren sehr hoch hoch tief
Crowdfunding Spekulativ bis investiv, abhängig von Projekt und Risiko hoch tief tief
P2P-Kredite Investition oder Spekulation, abhängig von Bonität und Diversifikation mittel bis hoch tief tief bis mittel
Währungen / Devisen Meist Spekulation, weil relative Preiswetten im Vordergrund stehen mittel bis hoch hoch tief bis mittel

Der Ökonom Burton Malkiel ordnet in seinem Klassiker “A Random Walk Down Wall Street” (erstmals 1973 erschienen, seither immer wieder aktualisiert) ein sehr ähnliches Spektrum an Anlagen ein, von Aktien und Anleihen über Immobilien bis zu Gold und Sammlerstücken, und zeigt dabei, wie unterschiedlich diese Anlageklassen bezüglich Werthaltigkeit und Vorhersagbarkeit sind.

Die wichtigste Erkenntnis

Zwei Muster fallen in dieser Übersicht sofort auf. Erstens: Die meisten seriösen, eher investitionsartigen Anlagen sind diversifiziert (ETFs, breite Fonds) und langfristig ausgerichtet (Aktien, Anleihen, Immobilien mit Mietertrag). Zweitens: Die meisten stark spekulativen Anlagen haben etwas gemeinsam, das leicht übersehen wird – sie erzeugen keinen laufenden Cashflow. Gold zahlt keine Dividende. Bitcoin zahlt keine Zinsen. Ein Gemälde wirft keine Miete ab. Der gesamte Ertrag solcher Anlagen hängt einzig davon ab, dass später jemand bereit ist, mehr dafür zu bezahlen als man selbst bezahlt hat. Das ist nicht automatisch schlecht, aber es ist ein fundamental anderes Risiko als eine Aktie, die Gewinne erwirtschaftet, oder eine Immobilie, die Miete abwirft.

Was du daraus mitnehmen kannst

Diese Tabelle ist kein Ranking von “gut” zu “schlecht”. Manche Menschen wollen und sollen auch spekulativer investieren, mit einem klar begrenzten Teil ihres Vermögens. Wichtig ist nur, sich bewusst zu sein, in welcher Spalte man sich gerade bewegt. Schau dir dein eigenes Portfolio oder deine Ersparnisse an: Wie viel liegt in Anlagen mit laufendem Cashflow und breiter Diversifikation, und wie viel in Anlagen, deren Wert einzig von der Hoffnung auf einen höheren Preis später abhängt? In der nächsten Lektion schauen wir uns an, wie man aus diesen Bausteinen eine kohärente, zur eigenen Lebenssituation passende Anlagestrategie zusammensetzt.